Historisches: Saison 1935/36

Historisches: Saison 1935/36

Der FC Thüringen Weida wird mit 78:24 Toren und 36:8 Punkten Meister der Bezirksklasse Thüringen vor Gelb- Rot Meiningen, SC 06 Oberlind und Wacker 1910 Gera. Damit qualifiziert sich Weida für die Aufstiegsrunde zur Gauliga Mitte.
Nachstehend der Bericht von den entscheidenden Aufstiegsspielen:
Durch ständige Leistungsverbesserung kämpfte nun der FC Thüringen um den Aufstieg in die Gauliga Mitte. Eine der gefährlichsten Klippen, die dabei umschifft werden mussten, war der 2. Bezirksmeister Merseburg 99. Pfingsten 1936 war es soweit, dass die entscheidende Schlacht ausgetragen werden musste. Im großen „Magirus“ der Firma Sünderhauf wurde die 80 Kilometer lange Fahrt angetreten. Eine Menge begeisterter Weidaer fuhr mit Automobilen, Motorrädern, ja sogar Fahrrädern nach Merseburg, um ihrer Leiblingsmannschaft den nötigen Rückhalt zu geben.Die Weidaer Aktiven nutzten ihren Besuch in Merseburg und nahmen eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt vor. Dabei wurden sie einer kritischen Musterung durch die Merseburger Fußballfans unterzogen. Waren doch die Merseburger von ihrem hohen Können in der Fußballkunst so überzeugt, dass für sie der Sieg schon feststand.
Vorschau Merseburger Zeitung:
FC Thüringen Weida, der sein erstes Aufstiegsspiel gegen Viktoria Stendal mit 4:1 siegreich beendete, stellt sich in Mersburg unserem SV 1899 vor, einer Mannschaft, die in 21 Kämpfen hintereinander ungeschlagen blieb. Sollten es ausgerechnet die Thüringer sein, die unserem Meister eine Niederlage zufügen ? Merseburgs Wiederaufstieg in die Gauliga muss erkämpft werden. Aber die Gäste aus Weida sind nicht nur auf eigenem Boden glänzend am Zuge, sondern stehen ihren Mann auch auswärts. Stark ist ihr Angriff, besonders Semmer- Schulchefski- Warg- Stoll besitzen eine hohe Durchschlagskraft. Trotz alledem kann für 99
nur ein Sieg in Frage kommen.Nun, es ist anders gekommen. Der Spielverlauf hat gezeigt, dass der 3:1- Sieg der Weidaer völlig gerecht war. Der erfolgreichste Mittelstürmer des Gaues – Bieda- wurde von den Weiaern Ulrich, Bilke, Safar und Schmidt ausgezeichnet bewacht. Die Gastgeber konnten trotz ausgezeichneter Leistungen dem ideenreichen, wendigen und schnellen Weidaer Sturm auf die Dauer nicht standhalten. Der Schiri Gutzen aus Dessau hatte das Spiel jederzeit in der Hand. Auch die Merseburger Zuschauer bewiesen guten Sportsgeist und waren frei von Fanatismus.
Uneingeschränkt erkannten sie die Weidaer Leistungen an. Drei Minuten vor Schluss gelang Merseburg der verdiente Ehrentreffer.Um 7 Uhr sollte die Fahrt vom Bahnhof aus angetreten werden. Alle hatten
sich versammelt. Nur ein Schlachtenbummler fehlte. Der sportbegeisterte Magirusfahrer fuhr noch einmal zu dem weit abgelegenen Sportplatz , und der „halb im Tee“ befindliche Wünschendorfer Sportsfreund wurde in reger Diskussion mit den Merseburgern vorgefunden und eingeladen. Als die Mannschaft in Weida ankam, wurde sie von einer begeisterten Anhängerschaft stürmisch empfangen. Der Angstgegner der Aufstiegsspiele war bezwungen, Merseburg 3:1 geschlagen. Nun mussten die Weidaer noch einmal gegen Viktoria Stendal zum Endkampf antreten. Obwohl das Spiel für Weida den Aufstieg in die Gauliga gebracht hat, befriedigte der Spielverlauf die Zuschauer nicht. Der Kampf in Stendal vor 1800 Zuschauern hatte unter der schlechten Leistung des Schiedsrichters stark zu leiden. In der Folge des Spiels wurden die Weidaer stark benachteiligt. Gleich nach dem Anstoß gab es einen unberechtigten Elfmeter für den Platzbesitzer wegen angeblichen Handspiels. Zum Glück ein Schuss an den Pfosten. Viktoria versuchte mit allen Mitteln ans Ziel zu kommen. Sie scheiterte aber an der wie Löwen kämpfenden Weidaer Hintermannschaft, vor allem an Dillner, der Leistungen großen Stils zeigte. Teilweise waren die Stendaler leicht überlegen. Da den Weidaern ein Unentschieden ausreichte, war der Aufstieg geschafft.
Die kleine thüringische Stadt Weida zählt nun zu den Großen im Deutschen Fußball. Nicht leicht war der Erfolg zu erkämpfen. Viel schwerer wird es sein, sich in der höchsten deutschen Spielklasse zu behaupten. Mit Städten wie Erfurt, Halle, Magedeburg und Jena wird unsere Mannschaft im Herbst in der Gauliga kämpfen. Nicht auszudenken, wenn Weida eines Tages um den Titel Deutscher Fußballmeister streitet.
Abgesehen von der Zukunftsmusik wird das Weidaer Publikum in der nächsten Saison Gegner in ihren Mauern begrüßen können, die sonst nie in den kleinen Ort gekommen wären.
Die Meisterschaftsfeier fand im Schützenhaus statt. Der Vorsitzende Häßner würdigte die Leistungen der Mannschaft, die des Trainers Pöttinger und der vielen Helfer. Auszeichnungen mit der Vereinsehrennadel wurden vorgenommen.

Quelle: Aus der Geschichte der Stadt Weida von Hans- Dietrich Knoll

Endstand Aufstiegsrunde zur Gauliga Mitte:
1. FC Thüringen Weida 9:4           6:2
2. SV Merseburg 99 7:5           4:4
3. Viktoria Stendal 1:8           2.6

Weida, den 06.02.2017 Volker Georgius

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